Herstellkosten in der Bekleidungsfertigung: alle zehn Positionen in Fertigungsreihenfolge
Ein Kleidungsstück in der Reihenfolge der Nähstraße aufgliedern: Stoffverbrauch, Zutaten, SAM und Minutensatz der Linie, Ausschuss, Nacharbeit, Fremdbearbeitung, Verpackung, Transport und Gemeinkosten.
Dieser Beitrag gliedert die Herstellkosten **eines** Kleidungsstücks in der Reihenfolge auf, in der es die Fertigung durchläuft, und deckt alle zehn Positionen ab. Er sagt nicht, mit wie vielen Personen die Linie laufen oder welche Maschinendrehzahl eingestellt sein sollte — das hängt von Modell, Können und Ausstattung ab.
Danach haben Sie einen Rahmen, der auch ohne Costdown nutzbar ist: woraus die Herstellkosten in der Bekleidung bestehen und wo das Geld verschwindet. Diese Branche unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von der Metallfertigung — das meiste Geld steckt im **Stoff**, nicht in der Maschine. Also ist auch die Stelle, an der man hinschauen muss, eine andere.
Zwei Dinge, in denen sich die Bekleidung deutlich unterscheidet
Erstens: die Kosten konzentrieren sich nicht auf Maschinenstunden, sondern auf **Stoff und Linienminuten**. Eine Nähmaschine ist weder teuer noch selten; knapp sind der Platz in der Linie und die Meter Stoff.
Zweitens: das Erzeugnis durchläuft eine **Linie** mit vielen Personen statt an einer Maschine zu stehen. Die Personalkosten rechnen sich deshalb nicht als «Lohn des Bedieners mal Zeit», sondern über die Vorgabezeit des Erzeugnisses über alle Arbeitsgänge — das ist SAM, und Costdown hat dafür einen eigenen Rechenweg.
Die Prozesskette — ihr folgen, nicht dem Gedächtnis
- Stoff und Zutaten ins Lager — Stoffschau, Breite messen, Farbe je Ballen prüfen.
- Legen — Lagenzahl, Legelänge, verworfene Anfänge.
- Zuschnitt — nach dem Schnittbild; was zwischen den Teilen liegt, ist Verlust.
- Nummerieren, Bündeln, Zusammenstellen — Handarbeit, fehlt häufig in der Kalkulation.
- Druck oder Stickerei falls vorhanden — meist außer Haus.
- Nähen in der Linie — hier wird SAM verbraucht.
- Prüfen in und am Ende der Linie — hier werden Fehlteile ausgesteuert.
- Waschen, Ausrüsten falls vorhanden — fast immer außer Haus.
- Bügeln, Falten, Nadelkontrolle.
- Verpacken, in Kartons legen, versenden.
Schritt 4 und Schritt 9 sind die beiden Stellen, an denen die meisten Kosten aus der Tabelle verschwinden. Sie finden nicht in der Nähstraße statt, also fallen sie heraus, sobald der «Lohnpreis» nach Linienminuten gerechnet wird.
Je Stück erfassen, nicht je Modell
Kalkuliert wird **ein** Stück, danach wird mit der Monatsmenge multipliziert. Bei einem Auftrag über 20.000 Teile die Auftragszahl in ein Feld und die Stückzahl ins Nachbarfeld einzutragen liefert eine unauffällige Summe — nur eben um den Faktor 20.000 falsch.
Zehn Positionen in der Reihenfolge der Fertigung
1. Material — Stoff und Zutaten
Die größte Position bei den meisten Modellen, ein Fehler hier wiegt also am schwersten. Dazu gehören Oberstoff, Futter, Einlage und sämtliche Zutaten: Garn, Knöpfe, Reißverschlüsse, Gummiband, Hauptetikett, Seitenetikett, Pflegeetikett, Anhänger, Kordel.
Woher die Zahl kommt: der Stoffverbrauch muss aus dem **tatsächlichen Schnittbild** stammen, nicht aus der Fläche des Erzeugnisses abgeleitet werden. Das Schnittbild sagt, wie viele Meter ein Stück bei dieser Breite belegt, und es enthält bereits, was zwischen den Teilen liegt. Der Preis stammt aus der letzten Eingangsrechnung, für genau die eingekaufte Breite.
Häufiger Fehler: die Verluste außerhalb des Schnittbilds vergessen — Ballenanfänge, Legeenden, auszusortierende fehlerhafte Ballen und Mehrverbrauch durch Farbabweichungen zwischen Ballen. Das ist bezahlter Stoff, der nicht zum Erzeugnis wird.
2. Personal — SAM und Minutensatz der Linie
Hier nutzt die Bekleidung einen eigenen Rechenweg, anders als die Metallfertigung. Costdown rechnet: SAM mal Minutensatz der Linie, geteilt durch die Linieneffizienz, mal Menge.
- SAM ist die Vorgabezeit **eines** Stücks über **alle** Arbeitsgänge, in Minuten.
- Der Minutensatz der Linie sind die Kosten einer Minute der Linie, gerechnet je Person.
- Die Linieneffizienz ist das Verhältnis von tatsächlicher zu theoretischer Ausbringung nach SAM.
Woher die Zahlen kommen: SAM aus der Arbeitsgangaufteilung dieses Modells oder durch Stoppen jedes Arbeitsgangs mit anschließender Summierung. Die Linieneffizienz wird aus der tatsächlichen Ausbringung einer eingelaufenen Linie zurückgerechnet — es ist eine Zahl Ihres Betriebs, sie lässt sich von niemandem leihen.
Wenn Sie diesen Weg gehen, lassen Sie Monatslohn und Taktzeit in Sekunden leer — das System erkennt es und nutzt den SAM-Weg. Beide Wege gleichzeitig auszufüllen ist widersprüchlich, und der SAM-Weg gewinnt.
3. Maschine — Ausstattungskosten je Stück
Nähmaschinen, Overlock, Kansai, Knopfloch- und Knopfannähautomaten, Dampfbügeleisen, Fixierpresse. Zu rechnen wie in jeder Branche: Abschreibung oder Miete, Instandhaltung, Strom, Druckluft, Stellfläche — geteilt durch die Stunden, in denen tatsächlich produziert wird.
In der Bekleidung ist diese Position meist klein gegenüber Stoff und Personal. Klein darf kurz beschrieben werden, aber nicht weggelassen — eine weggelassene Position liest sich als Null.
4. Werkzeug — was je Stück verschleißt
Nadeln, Zuschneidemesser, Trimmklingen, Nähfüße, Lehren, Klebeband, Kreide. In die Kalkulation geht der verschlissene Anteil: Preis geteilt durch die Stücke bis zum Wechsel.
Woher die Zahl kommt: das Ausgabebuch für Nadeln und Messer im Lager. Zugleich eine leicht zu verbessernde Stelle — auffällig viele Nadelbrüche an einem Arbeitsgang deuten meist auf den Nähfuß oder auf den Stoff, und beides misst sich an genau dieser Zahl.
5. Ausschuss — was nicht zu retten ist
Fehlerhafte Ware, die vernichtet oder als B-Ware verbilligt wird. Der Wert je Ausschussteil ist die bis zum Ausfall aufgelaufene Kostensumme, nicht der Stoffpreis.
In der Bekleidung ist diese Spanne sehr groß: ein falsch zugeschnittenes Teil kostet nur Stoff, ein nach dem Waschen entdecktes fehlerhaftes Oberteil hat Stoff, Zutaten, das gesamte SAM und die Kosten der externen Wäsche verbraucht.
6. Nacharbeit — was zu retten ist
Diese Position darf in der Bekleidung **nicht** mit dem Ausschuss zusammengefasst werden, weil sie groß ist und weil sie etwas anderes aussagt. Das Teil geht nicht verloren, verbraucht aber eine weitere Runde: auftrennen, neu nähen, neu bügeln, neu prüfen.
So erfassen: durchschnittliche Nacharbeitsminuten je nachzuarbeitendem Stück, mal Nacharbeitsquote, mal Minutensatz. Die Quote steht im Prüfbuch am Linienende.
7. Fremdbearbeitung — Druck, Stickerei, Wäsche
Druck, Stickerei, Waschen, Nachfärben, Spezialknopflöcher, Applikationen. Den Rechnungsbetrag des Dienstleisters nehmen und auf **ein** Stück umrechnen — abgerechnet wird meist je Modell oder je Los.
Häufiger Fehler: zu vergessen, dass Hinbringen und Zurückholen zwei Transportstrecken sind, und den außer Haus entstehenden Ausschuss zu vergessen, den man dennoch trägt. Bei Waschware ist diese Quote nicht klein, und sie trifft ein fast fertiges Erzeugnis.
8. Verpackung — nach Kundenvorschrift
PE-Beutel, Seidenpapier, Rückenpappe, Clips, Bügel, Karton, Klebeband, Umreifung. In der Bekleidung wird die Verpackung am stärksten unterschätzt — weil sie der Kunde vorschreibt und sie sich mit jedem Auftrag ändert.
Woher die Zahl kommt: die Packvorschrift genau dieses Auftrags, nicht die des vorherigen. Bügel und Rückenpappe sind manchmal teurer als der Karton.
9. Transport — Werksverkehr und Auslieferung
Fracht zum Kunden oder zum Hafen, dazu Hin- und Rückwege bei externem Druck, Stickerei oder Wäsche. Auf ein Stück umrechnen nach der tatsächlich je Fahrt transportierten Menge.
10. Fertigungsgemeinkosten — über allem
Gebäudeabschreibung, Pacht, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung, Löhne von Gruppenleitung, Linientechnik und Qualitätsprüfung, Materiallager, Reinigung.
Woher die Zahl kommt: die Buchhaltung nach dem auf dieses Modell **verrechneten** Anteil fragen. Nicht die gesamten Gemeinkosten des Werks nehmen.
Wie Costdown rechnet
Sie füllen zwei Spalten für dieselben zehn Positionen aus: IST und NACH DER VERBESSERUNG. Das System summiert jede Spalte zu Monatskosten, bildet die Differenz als monatliche Einsparung und teilt die Investition durch diesen Betrag — das ergibt die Amortisationsdauer in Monaten.
Die Amortisationsdauer ist die über Ländergrenzen vergleichbare Größe, weil Zähler und Nenner in derselben Währung desselben Landes stehen und sich der Wechselkurs herauskürzt.
Nachweis aus Aufzeichnungen, die bereits vorhanden sind
- Prüfbuch am Linienende — Gutteile, Nacharbeit, Ausschuss je Schicht.
- Ausbringungsbericht der Linie — daraus wird die Linieneffizienz zurückgerechnet.
- Materialscheine für Stoff und Zutaten — Abgleich mit dem erfassten Verbrauch.
- Arbeitsgangaufteilung — die Quelle für SAM.
- Ausgabebuch für Nadeln und Zuschneidemesser.
- Monatliche Gegenzeichnung durch die Gruppenleitung.
Stammen die Zahlen vor der Verbesserung aus einer anderen Quelle als danach, schreiben Sie es dazu. Leser vom Fach merken es sofort, und es vorher zu sagen erhält das Vertrauen.
Zehn Punkte zum Prüfen vor dem Veröffentlichen
- Stammt der Stoffverbrauch aus dem Schnittbild oder ist er aus der Fläche abgeleitet?
- Sind die Verluste außerhalb des Schnittbilds enthalten — Ballenanfänge, Legeenden, fehlerhafte Ballen?
- Sind die Zutaten an einem Musterteil vollständig abgezählt, auch das Beigestellte?
- Wird SAM durch die Personenzahl der Linie geteilt? Das darf nicht sein.
- Ist die Linieneffizienz Ihre echte Zahl oder eine geliehene?
- Sind beide Personalwege gleichzeitig ausgefüllt — Monatslohn und SAM?
- Ist der Ausschuss nach aufgelaufenen Kosten oder nur nach Stoffpreis bewertet?
- Ist die Nacharbeit mit dem Ausschuss zusammengefasst?
- Sind bei der Fremdbearbeitung beide Transportstrecken enthalten?
- Ist die Spalte «nach der Verbesserung» vollständig? Leere Felder zählen als 0.
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