Herstellkosten im Spritzguss: alle zehn Positionen in Fertigungsreihenfolge
Ein Spritzgussteil in der Reihenfolge der Fertigung aufgliedern: Granulat und Masterbatch, Kavitätenzahl, Maschinenstunde, Regranulat als Verwertungserlös, Ausschuss, Fremdbearbeitung, Verpackung und Gemeinkosten.
Dieser Beitrag gliedert die Herstellkosten **eines** Spritzgussteils in der Reihenfolge auf, in der es die Fertigung durchläuft, und deckt alle zehn Positionen ab. Er sagt nicht, welche Temperatur oder welchen Druck Sie einstellen sollen — das hängt von Werkstoff, Werkzeug und Maschine ab.
Der Spritzguss hat zwei Eigenheiten, die andere Branchen nicht haben, und beide verfälschen die Kalkulation in entgegengesetzte Richtungen: **ein Zyklus liefert mehrere Teile** und **überschüssiger Kunststoff ist wiederverwendbar oder verkäuflich**. Die erste zu übersehen bedeutet ein Vielfaches zu hoch; die zweite zu übersehen bedeutet zu teuer.
Zwei Dinge, in denen sich der Spritzguss deutlich unterscheidet
**Ein Schuss, mehrere Teile.** Ein Mehrfachwerkzeug liefert je Zyklus mehrere Teile gleichzeitig. Maschinenzeit und Personalzeit für **ein** Teil sind deshalb der Zyklus geteilt durch die Kavitätenzahl — nicht der ganze Zyklus.
**Überschüssiger Kunststoff geht nicht verloren.** Angüsse, Grat und der eigene Ausschuss lassen sich mahlen und je nach Kundenvorgabe wiederverwenden oder verkaufen. Das ist der einzige Posten der Kalkulation mit **negativem** Vorzeichen.
Die Prozesskette
- Granulat und Masterbatch ins Lager — Feuchte prüfen, trocknen, wenn der Werkstoff es verlangt.
- Farbe und zulässigen Regranulatanteil mischen.
- Werkzeug einbauen, einrichten, anfahren — die Maschine steht, das Personal wird bezahlt.
- Spritzen — hier wird der Zyklus verbraucht, und hier entscheidet die Kavitätenzahl alles.
- Anguss trennen, Grat entfernen — meist Handarbeit.
- Sichtprüfung, Maßprüfung nach Frequenz.
- Nachbearbeitung falls vorhanden — Bedrucken, Metallisieren, Lackieren, Ultraschallschweißen, Montage.
- Angüsse und Ausschuss mahlen — zurück zu Schritt 2 oder verkaufen.
- Verpacken, kartonieren, versenden.
Die Schritte 3, 5 und 8 sind die Stellen, an denen am meisten Kosten aus der Tabelle verschwinden. Schritt 8 ist noch besonderer: er ist keine Ausgabe, sondern ein **Ertrag**, und ihn wegzulassen heißt, sich teurer zu rechnen als man ist.
Zehn Positionen in der Reihenfolge der Fertigung
1. Material — Granulat, Masterbatch, Additive
Die Kunststoffmasse für **ein** Teil ist nicht das Teilegewicht. Sie ist das Schussgewicht geteilt durch die Kavitätenzahl — und das Schussgewicht enthält **Anguss und Verteiler**, die nicht am Teil sitzen.
Woher die Zahl kommt: einen vollständigen Schuss samt Anguss wiegen, dann durch die Kavitätenzahl teilen. Preis aus der letzten Eingangsrechnung. Masterbatch und Additive nach dem tatsächlich gefahrenen Mischungsverhältnis rechnen, nicht nach dem in der Arbeitsanweisung, falls beide auseinanderlaufen.
Häufiger Fehler: das Teil wiegen und dieses Gewicht als Verbrauch nehmen. Der Anguss ist gekaufter Kunststoff — er wird erst dann gutgeschrieben, wenn Sie ihn tatsächlich mahlen oder verkaufen.
2. Maschine — Maschinenstunde durch die Kavitätenzahl
Die Maschinenkosten je Teil sind Zyklus mal Maschinenstundensatz, **geteilt durch die Kavitätenzahl**. Hier liegt der schwerste Fehler der Branche: bei einem Achtfachwerkzeug das Teilen zu vergessen bedeutet das Achtfache.
Der Stundensatz enthält Abschreibung oder Miete, Instandhaltung, Strom, Kühlwasser, Druckluft, Hydrauliköl und Stellfläche. Der Nenner müssen die Stunden sein, in denen die Maschine **tatsächlich Teile produziert** — Stillstand, Werkzeugwechsel und Materialwarten abgezogen.
3. Personal — Bedienung und Gratentfernung
Ebenfalls durch die Kavitätenzahl teilen, genau wie die Maschinenzeit. Und ebenfalls durch die Zahl der bedienten Maschinen — im Spritzguss bedient eine Person meist mehrere, den vollen Lohn einem Teil zuzuschlagen ist um ein Vielfaches falsch.
Vergessen Sie die Arbeit hinter der Maschine nicht: Anguss trennen, Grat entfernen, Sichtprüfung. Diese drei Tätigkeiten sind meist Handarbeit und finden nicht an der Maschine statt, fallen also gern aus der Kalkulation.
4. Werkzeug — was mit der Schusszahl verschleißt
Beim Werkzeug ist zu trennen: der **Werkzeugkörper** hält Jahre und zählt zur Investition oder zu den Gemeinkosten; die **Verschleißteile im Werkzeug** — Auswerferstifte, Federn, Führungsbuchsen — und die turnusmäßige Werkzeugwartung verschleißen mit der Schusszahl und gehören hierher.
Umrechnung auf ein Teil: Kosten eines Wartungsintervalls geteilt durch die Schüsse zwischen zwei Wartungen, dann geteilt durch die Kavitätenzahl.
5. Ausschuss — was nicht besteht
Der Wert je Ausschussteil ist die bis zur Aussteuerung aufgelaufene Kostensumme. Direkt an der Maschine erkannter Ausschuss kostet Kunststoff und einen Teil des Zyklus; nach Bedrucken oder Montage erkannter hat zusätzlich die Fremdbearbeitung verbraucht.
Der Spritzguss hat allerdings eine Besonderheit: Ausschuss ist meist **mahlbar**. Dieser Rückgewinn wird in der Materialposition erfasst und nicht hier — sonst wird der Ausschuss doppelt abgezogen.
6. Nacharbeit — was zu retten ist
Restgrat nacharbeiten, Stellen auspolieren, falsch montierte Teile neu fügen. Anders als Ausschuss: das Teil geht nicht verloren, es kostet nur zusätzliche Arbeit.
Ein plötzlicher Anstieg der Nacharbeitsquote deutet meist auf Werkzeugverschleiß oder driftende Parameter hin — beides wird über diese Zahl früher erkannt als über das Gefühl.
7. Fremdbearbeitung — Druck, Metallisierung, Lack, Montage
Tampondruck, Siebdruck, Vakuummetallisierung, Lackierung, Ultraschallschweißen, Baugruppenmontage. Den Rechnungsbetrag nehmen und auf ein Teil umrechnen; an beide Transportstrecken und an den außer Haus entstehenden Ausschuss denken.
8. Verpackung
PE-Beutel, Kunststofftrays, Zwischenlagen, Kartons, Stretchfolie, Paletten. Mehrwegtrays und -kisten durch die Zahl der Umläufe teilen, statt den vollen Preis einem Los zuzuschlagen.
9. Transport
Fracht zum Kunden, dazu Hin- und Rückwege bei Fremdbearbeitung. Auf ein Teil umrechnen nach der je Fahrt tatsächlich transportierten Menge.
10. Fertigungsgemeinkosten
Gebäudeabschreibung, Beleuchtung, zentrale Kühlwasserversorgung, zentrale Druckluft, Löhne von Meister und Werkzeugtechnik, Materiallager. Fragen Sie die Buchhaltung nach dem auf dieses Erzeugnis **verrechneten** Anteil.
Wie Costdown rechnet
Sie füllen zwei Spalten für dieselben zehn Positionen aus: IST und NACH DER VERBESSERUNG. Das System summiert jede Spalte zu Monatskosten, bildet die Differenz als monatliche Einsparung und teilt die Investition durch diesen Betrag.
Im Spritzguss entscheiden zwei Felder die Genauigkeit mehr als alle anderen: **Kavitätenzahl** und **Verwertungserlös**. Bleibt die Kavitätenzahl leer, rechnet das System mit einer Kavität. Bleibt der Erlös leer, gilt der wiederverkäufliche Kunststoff als vollständig verloren.
Nachweis aus vorhandenen Aufzeichnungen
- Schichtbuch — Schüsse, Gutteile, Ausschuss je Schicht.
- Materialscheine für Granulat und Masterbatch — Abgleich mit dem erfassten Verbrauch.
- Wiegescheine für Mahlgut — direkte Quelle für den Verwertungserlös.
- Werkzeugwartungsbuch — Schüsse zwischen zwei Wartungen.
- Laufzeitbericht der Steuerung, sofern die Maschine ihn aufzeichnet.
- Monatliche Gegenzeichnung durch den Schichtmeister.
Zehn Punkte zum Prüfen vor dem Veröffentlichen
- Ist die Kavitätenzahl eingetragen? Leer versteht das System als eine Kavität.
- Ist die Kunststoffmasse als Schussgewicht durch Kavitäten gerechnet oder als Teilegewicht gewogen?
- Sind Anguss und Verteiler im Gewicht enthalten?
- Wird der Rückgewinn doppelt abgezogen — im Gewicht und im Erlösfeld?
- Ist die Maschinenzeit durch die Kavitätenzahl geteilt?
- Wie viele Maschinen bedient eine Person? Ist das Personal aufgeteilt?
- Sind Angusstrennen und Gratentfernen als Arbeitszeit enthalten?
- Zählt der Zyklus von Werkzeugschließen zu Werkzeugschließen oder nur die Einspritzzeit?
- Ist der Ausschuss nach aufgelaufenen Kosten oder nur nach Kunststoffpreis bewertet?
- Ist die Spalte «nach der Verbesserung» vollständig? Leere Felder zählen als 0.
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