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Herstellkosten eines Druckerzeugnisses: alle zehn Positionen in Fertigungsreihenfolge

Ein Druckerzeugnis in der Reihenfolge der Fertigung aufgliedern: Papier und Ausschießschema, Farbe, Makulatur beim Einrichten, Druckplatten, Stanzen und Kaschieren, Weiterverarbeitung, Verpackung und Transport.

Aktualisiert

Dieser Beitrag gliedert die Herstellkosten eines Druckerzeugnisses in der Reihenfolge auf, in der es die Fertigung durchläuft, und deckt alle zehn Positionen ab. Er sagt nicht, welche Farbdichte einzustellen ist oder wie eingerichtet wird — das hängt von Maschine, Papier und Farbe ab.

Der Druck unterscheidet sich deutlich von den vier vorherigen Branchen, und genau dort werden Angebote falsch: **ein Teil der Papierkosten hängt nicht an der Auflage**. Ein Auftrag über 500 Bogen und einer über 50.000 können dieselbe Makulatur verbrauchen — und bei kleinen Auflagen ist dieser Anteil größer als das Papier im Erzeugnis.

Zwei Kostenarten, und der Druck vermischt sie am stärksten

Jede Branche kennt Kosten **je Menge** und Kosten **je Vorgang**. Die Druckbranche ist besonders, weil ihr Vorgangsanteil groß ist und auch Material enthält, nicht nur Zeit:

Je DruckvorgangJe Auflage
Druckplatten, StanzformPapier im Erzeugnis
Makulatur beim Einrichten und AndruckenFarbe nach Flächendeckung
Einrichten, Platten einhängen, WaschenStrom, Maschinenlaufzeit
Farbe beim Farbwechsel ausspülenVerpackungsarbeit

Die linke Spalte durch die Auflage geteilt ergibt die Kosten je Stück. Daraus folgt: **dasselbe Erzeugnis wird je Stück teurer, je kleiner der Auftrag ist** — und die Spanne ist im Druck größer als in anderen Branchen.

Deshalb steht auf jedem Druckangebot die Auflage. Eine Druckkalkulation ohne Auflage ist unlesbar, denn der Nenner der gesamten linken Spalte fehlt.

Die Prozesskette

  1. Papier ins Lager — Grammatur, Format und Feuchte prüfen.
  2. Ausschießen, Bogen belegen — entscheidet die Nutzenzahl und damit den größten Teil der Papierkosten.
  3. Druckplatten belichten oder Daten für den Digitaldruck vorbereiten.
  4. Einrichten und Andrucken — hier entsteht die Makulatur.
  5. Auflage drucken.
  6. Kaschieren, Folienprägen, Prägen falls vorhanden.
  7. Stanzen, ausbrechen, Kanten säubern.
  8. Kleben, falzen, sammeln, heften je nach Erzeugnis.
  9. Prüfen, zählen, verpacken, versenden.

Schritt 2 kostet die wenigste Zeit und entscheidet das meiste Geld. Schritt 4 ist der einzige Schritt der ganzen Kette, dessen Materialkosten **nicht von der Auflage abhängen**.

Zehn Positionen in der Reihenfolge der Fertigung

1. Material — Papier, Farbe, Folie

Papier rechnet nach **Druckbogen**, nicht nach Erzeugnis. Ein Bogen enthält mehrere Nutzen, die Papierkosten je Stück sind also der Bogenpreis geteilt durch die Nutzenzahl.

Woher die Zahlen kommen: die Nutzenzahl aus dem tatsächlichen Ausschießschema; den Papierpreis aus der Rechnung für genau die eingekaufte Grammatur und das eingekaufte Format. Farbe rechnet nach Flächendeckung und Farbenzahl — den tatsächlichen Verbrauch eines Auftrags durch die Stückzahl teilen, abgleichbar mit dem Materialschein.

Makulatur beim Einrichten gehört **nicht** hierher. Sie ist eine Vorgangskost und wird im Feld für losfixe Kosten erfasst — siehe den eigenen Beitrag dazu.

2. Maschine

Offset-, Flexo- oder Digitaldruckmaschine, Kaschiermaschine, Stanze, Falzklebemaschine. Zu rechnen wie in jeder Branche: Abschreibung oder Miete, Instandhaltung, Strom, Druckluft, Stellfläche — geteilt durch die Stunden mit tatsächlicher Produktion.

Branchentypischer Fehler: Einrichte- und Waschzeit sind ebenfalls Zeiten, in denen die Maschine belegt ist. Steht die Maschine zum Plattenwechsel, kann sie keinen anderen Auftrag drucken — dieser Betrag gehört zu diesem Auftrag, und er ist eine Vorgangskost.

3. Personal

Drucker, Helfer, Farbkontrolle, Stanzen, Falzkleben, Zählen und Prüfen. Der Druck hat einen hohen Handarbeitsanteil in der Weiterverarbeitung — falzen, kleben, sammeln, zählen — und genau das fällt heraus, weil es an keiner Maschine hängt.

Die Einrichtezeit ist eine Vorgangskost, keine Mengenkost. Sie mit der Auflagenarbeit zusammenzufassen lässt kleine Aufträge billiger erscheinen, als sie sind.

4. Werkzeug — Platten, Stanzformen und Verschleiß

Hier sind drei Arten zu unterscheiden, denn sie werden durch drei verschiedene Nenner geteilt:

  • Druckplatte: für einen Auftrag benutzt und dann verworfen oder recycelt — durch die Auflage genau dieses Auftrags teilen.
  • Stanzform: über mehrere Aufträge nutzbar — durch die Zahl der Stanzhübe ihrer Lebensdauer teilen.
  • Gummitücher, Stanzmesser, Walzen: verschleißen mit den Durchläufen — durch die Durchläufe bis zum Wechsel teilen.
Eine vom Kunden beigestellte Stanzform zählt nicht in die Kalkulation, die Lagerung und Pflege der Form aber schon. Wer hunderte Formen für Kunden einlagert, belegt echte Fläche, und die gehört in die Gemeinkosten.

5. Ausschuss

Fehldrucke, die nach dem Druck auffallen: Farbabweichung, Passerfehler, Farbverschmutzung, Risse beim Stanzen. Der Wert je Ausschussbogen ist die bis zum Ausfall aufgelaufene Kostensumme.

Abgrenzung zur Makulatur beim Einrichten: die Makulatur ist **geplant und notwendig** und entsteht vor der Auflage. Ausschuss ist **ungeplant** und entsteht während der Auflage. Beides zusammenzufassen verwischt: das eine senkt man durch Auftragsbündelung, das andere durch Prozessarbeit.

6. Nacharbeit

Fehlmenge nachdrucken, gelöste Klebungen neu kleben, schiefe Bogen neu falzen, beschädigte Umschläge in gesammelten Broschüren tauschen. Das Erzeugnis geht nicht verloren, kostet aber zusätzliche Arbeit — und im Druck zieht Nacharbeit meist einen erneuten Maschinendurchlauf nach sich, also erneut Makulatur.

7. Fremdbearbeitung

Folienprägen, Blindprägen, partieller UV-Lack, Speziallaminate, aufwendiges Stanzen, Klebebindung. Rechnungsbetrag nehmen, auf ein Stück umrechnen, an beide Transportstrecken denken.

Branchentypischer Fehler: der Dienstleister hat seine eigene Einrichtemakulatur, und die erscheint auf Ihrer Rechnung meist als geringere Rückliefermenge gegenüber der Anliefermenge. Der Abgleich von Liefer- und Rücklieferschein macht sie sichtbar.

8. Verpackung

Kartons, Umreifung, Stretchfolie, Feuchteschutzpapier, Paletten. Preis der ganzen Einheit und Stückzahl darin eintragen, das Teilen übernimmt das System — Druckerzeugnisse werden meist in Ries oder Bunden verpackt, dieser Faktor ist also groß.

9. Transport

Fracht zum Kunden, dazu Hin- und Rückwege bei Fremdbearbeitung. Papier ist schwer, die Fracht wird hier meist durch die Zuladung begrenzt und nicht durch das Volumen — anders als im Möbelbau.

10. Fertigungsgemeinkosten

Gebäudeabschreibung, Beleuchtung, Klima und Feuchteregelung falls vorhanden, Entsorgung der Waschmittel, Löhne von Meister und Technik, Papierlager, Lager für Kundenstanzformen.

Diese Position wird monatlich eingetragen und nicht mit der Menge multipliziert — die Buchhaltung hat sie bereits verrechnet.

Wie Costdown rechnet

Sie füllen zwei Spalten für dieselben zehn Positionen aus: IST und NACH DER VERBESSERUNG. Das System summiert jede Spalte zu Monatskosten, bildet die Differenz und teilt die Investition durch diesen Betrag.

Im Druck entscheidet ein Feld die Genauigkeit am stärksten: die **losfixen Kosten**. Sind beide Felder ausgefüllt — Kosten je Vorgang und Stückzahl je Vorgang — teilt das System richtig und rundet die Zahl der Vorgänge auf. Fehlt eines, rechnet es nicht und rät das andere bewusst nicht.

Nachweis aus vorhandenen Aufzeichnungen

  • Fertigungsauftrag — geplante Bogenzahl und tatsächlich gelieferte Menge; die Differenz ist die Makulatur.
  • Materialscheine für Papier und Farbe — Abgleich mit dem erfassten Verbrauch.
  • Plattenbelichtungsbuch — Zahl der Platten je Auftrag.
  • Schichtbuch — Einrichtezeit und Auflagenzeit getrennt.
  • Liefer- und Rücklieferscheine der Fremdbearbeitung.

Zehn Punkte zum Prüfen vor dem Veröffentlichen

  1. Steht die AUFLAGE des Auftrags in der Kalkulation? Ohne sie ist die ganze Vorgangsspalte sinnlos.
  2. Ist das Papier als Bogen geteilt durch Nutzen gerechnet oder je Erzeugnis?
  3. Ist die Makulatur im Feld für losfixe Kosten erfasst oder mit dem Erzeugnispapier vermischt?
  4. Ist die Makulatur mit dem Ausschuss zusammengefasst? Beide senkt man auf verschiedene Weise.
  5. Ist die Druckplatte durch die Auflage genau dieses Auftrags geteilt?
  6. Ist die Stanzform durch die Hübe ihrer Lebensdauer geteilt oder durch einen Auftrag?
  7. Ist die Einrichtezeit als Vorgangskost erfasst oder mit der Auflagenarbeit vermischt?
  8. Ist die Maschinenstillstandszeit für den Plattenwechsel in der Maschinenzeit enthalten?
  9. Sind Falzen, Kleben, Sammeln und Zählen als Arbeitszeit enthalten?
  10. Ist die Spalte «nach der Verbesserung» vollständig? Leere Felder zählen als 0.

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