Zum Hauptinhalt springen

Herstellkosten von Spirituosen: die Kosten der Lagerzeit

Ein reifendes Erzeugnis aufgliedern: neben Rohstoffen und Arbeit entstehen drei weitere Kosten allein durch Zeit — gebundenes Kapital, Verluste während der Reifung und belegte Lagerfläche.

Aktualisiert

Der erste Teil dieser Branche gleicht der **Lebensmittelverarbeitung**: Produktion in Chargen, stufenweiser Masseverlust, Zwischenreinigung als Vorgangskost. Lesen Sie zuerst den Lebensmittelbeitrag, die Verlustkette gilt unverändert.

Diese Branche hat aber etwas, das andere nicht haben: nach der Herstellung **liegt** das Erzeugnis. Und die Liegezeit kostet auf drei verschiedenen Wegen Geld.

Drei Wege, auf denen Zeit in die Kalkulation läuft

WegWas es istWo erfassen
Gebundenes KapitalBereits bezahlte Rohstoffe und Arbeit, noch nicht zurückgeflossenKein eigenes Feld — in den Nachweisteil, siehe unten
ReifungsverlusteVerdunstung, Aufnahme durch das Fass, Verwurf beim AbfüllenAn die Verlustkette anhängen, als weitere Stufe
LagerflächeLagerhaus, Fässer, LagerbedingungenFertigungsgemeinkosten, nach belegter Zeit verteilt

Weg zwei und drei lassen sich direkt eintragen. Weg eins nicht — und er ist zugleich der größte, deshalb hat er unten einen eigenen Abschnitt.

Reifungsverluste: eine weitere Stufe der Kette

Der Lebensmittelbeitrag beschreibt Verluste als multiplikative Kette: jede Stufe behält einen Anteil der vorherigen. Die Reifung ist schlicht **eine weitere Stufe dieser Kette**, keine neue Rechenweise.

So gemessen: Masse oder Volumen beim Einlagern gegen Masse oder Volumen beim Abfüllen. An Ihrem eigenen Los messen, nicht mit einem Branchenwert rechnen — es hängt an Fassart, Lagerbedingung und Ihrer Reifedauer.

Die häufigste Verwechslung: Reifungsverluste sind **kein Ausschuss**. Niemand hat einen Fehler gemacht, es ist die Natur des Prozesses. In die Rohstoffverlustkette eintragen; sie beim Ausschuss zu erfassen lässt Ihre Ausschussquote fälschlich schlecht aussehen und macht jeden Vergleich mit anderen Betrieben sinnlos.

Gebundenes Kapital: der Posten ohne Feld

Eine lange Reifung zwingt Sie, Rohstoffe und Arbeit vollständig vorab zu bezahlen und dann zu warten. Während dieser Zeit ist das Geld für nichts anderes verfügbar. Das sind echte Kosten, aber keine Fertigungskosten — die Kalkulation hat deshalb kein Feld dafür.

Richtiger Umgang: **in kein Feld hineinzwängen**, sondern drei Zahlen in den Nachweisteil schreiben — Reifedauer, Wert einer Charge beim Einlagern und die ausgelagerte Menge. Diese drei genügen jedem Leser, um den Kapitalanteil nach seiner eigenen Rechnungslegung selbst zu bestimmen.

Gebundenes Kapital in die Gemeinkosten zu stecken zerstört die Vergleichbarkeit: andere Betriebe tun das nicht, Ihre Tabelle sieht dann teurer aus, ohne dass jemand weiß warum. Außerhalb notiert bleibt die Tabelle vergleichbar und die Information geht trotzdem nicht verloren.

Zehn Positionen — aus der Lebensmittelbranche übernommen, drei Änderungen

PositionWas anders ist
MaterialDie Verlustkette hat die Reifungsstufe zusätzlich. Holzfässer sind Werkzeug, wenn mehrfach genutzt, und Material, wenn einmalig
WerkzeugMehrfach nutzbare Fässer — Wert durch die Zahl der Chargen ihrer Lebensdauer teilen, wie die Standzeit beim Werkzeug
GemeinkostenDie Fläche des Reifelagers ist meist der größte Posten, und sie läuft mit der Zeit — also durch die Zahl der Chargen teilen, die in der Periode tatsächlich durch das Lager gingen

Die übrigen sieben Positionen — Maschine, Personal, Ausschuss, Nacharbeit, Fremdbearbeitung, Verpackung, Transport — gelten wie im Lebensmittelbeitrag. Nur die Verpackung hat hier einen deutlich höheren Anteil, sie sollte also nicht in einer Sammelzeile untergehen.

Drei Verbesserungen, die die Reifedauer nicht anrühren

Zeigt die Tabelle, dass die Reifezeit viel kostet, ist der erste Reflex, sie zu verkürzen. Aber die Reifedauer ist meist **das, was den Verkaufspreis erzeugt** — Verkürzen kann Kosten sparen und beim Erlös mehr verlieren.

  • Reifungsverluste senken — über Fassart, Stapelung, Lagerbedingungen. Gleiche Zeit, mehr Ausbeute.
  • Lagerdichte erhöhen — dieselbe Fläche nimmt mehr Chargen auf, die Flächenkosten je Charge sinken.
  • Ein- und Auslagerung so takten, dass das Lager nicht abwechselnd voll und leer steht — Lagerkosten laufen mit der Zeit, ein leeres Lager kostet ebenfalls.
Das ist genau die Aufgabe aus dem Beitrag über den Engpass: eine Verbesserung bringt nur dann Geld, wenn sie an dem ansetzt, was gerade begrenzt. Steht in Ihrem Lager noch Fläche frei, spart eine höhere Lagerdichte keinen Cent.

Verwandte Anleitungen

Herstellkosten von Spirituosen: die Kosten der Lagerzeit | costdown.org