Ist die Einsparung echt? Der Engpass und die drei Wege, auf denen Zahlen zu Geld werden
Warum eine Verbesserung, die eine Maschine schneller macht, meist keinen Cent bringt, wann eine Zahl auf dem Blatt zu echtem Geld wird, und wie das Engpass-Feld das System für Sie mitdenken lässt.
Dieser Beitrag erklärt keine Kalkulation — das tun die Branchenbeiträge. Er beantwortet die Frage, die hinter jeder Kalkulationstabelle steht: Bedeutet die errechnete Einsparung, dass das Werk tatsächlich so viel mehr Geld hat?
Die Antwort ist meistens **nein**, und der Grund liegt nicht in der Rechnung. Die Rechnung stimmt. Der Fehler liegt darin, dass Geld nur dann abfließt, wenn das Werk **tatsächlich weniger von etwas verbraucht** oder **mehr verkauft** — und ob eine Verbesserung das leistet, hängt davon ab, wo sie in der Fertigungskette sitzt.
Ein Beispiel, das jeder kennt
Sie verbessern einen Arbeitsgang, die Taktzeit sinkt von 6 auf 4 Minuten. Die Tabelle nimmt 2 Minuten mal Maschinenstundensatz mal Stückzahl und liefert eine schöne Zahl.
Ist dieser Arbeitsgang aber **nicht der Engpass** — musste er ohnehin auf den vorherigen Arbeitsgang oder auf Aufträge warten — dann liefert das Werk danach genauso viele Teile, zahlt genauso viel Lohn, verbraucht genauso viel Strom. Das Einzige, was steigt, ist die **Wartezeit der Maschine**.
Drei Wege, auf denen eine Verbesserung zu echtem Geld wird
Es gibt nur drei, und Sie müssen mindestens einen benennen können:
- Weniger Personal oder eine Schicht weniger — Lohn, der tatsächlich nicht mehr gezahlt wird.
- Mehr Absatz — die frei gewordene Kapazität wird mit echten Aufträgen gefüllt.
- Weniger Ausgaben mit Beleg — weniger Material, weniger Strom, weniger Fremdbearbeitung.
Der dritte Weg ist der sicherste und am leichtesten nachzuweisen, weil er eine Spur auf dem Materialschein oder auf der Rechnung hinterlässt. Die ersten beiden brauchen eine Entscheidung der Leitung, sie passieren nicht von selbst.
Der Engpass: der Arbeitsgang, der die Ausbringung bestimmt
Der Engpass ist der langsamste Arbeitsgang, und die Ausbringung der gesamten Linie entspricht seiner — mehr geht nicht. Jeder andere Arbeitsgang muss auf ihn warten, so schnell er auch sein mag.
Daraus folgen zwei Dinge, und das zweite wird gern übersehen:
- Eine Verbesserung **am** Engpass bedeutet: jede eingesparte Minute ist eine Minute, in der das ganze Werk mehr produziert.
- Eine Verbesserung **außerhalb** des Engpasses ändert die Ausbringung nicht — es sei denn, Sie nutzen die freie Zeit, um Personal zu reduzieren, eine Schicht zu streichen oder Arbeit von anderswo hierher zu verlagern.
So finden Sie den Engpass ohne aufwendige Messung: gehen Sie die Linie entlang und suchen Sie die Stelle, vor der sich **Material staut**, während direkt dahinter alles leer ist. Oder fragen Sie den Meister, welcher Arbeitsgang ständig Überstunden braucht.
Das Engpass-Feld ausfüllen, damit das System mitwarnt
In den Positionen Personal und Maschine gibt es je ein Feld, das fragt, ob diese Zeile der Engpass ist. Es geht in keine Rechnung ein — es wird nicht addiert, nicht subtrahiert, nicht multipliziert.
Seine Aufgabe ist eine Warnung: Tragen Sie eine Zeile als **nicht** Engpass ein und diese Zeile meldet trotzdem eine Einsparung, sagt Ihnen das System direkt, dass dieser Betrag womöglich nur zusätzliche Maschinenleerzeit ist.
«Kein Engpass» einzutragen schwächt Ihren Vorschlag also nicht. Es sorgt dafür, dass Sie **vorher gewarnt werden** statt hinterher von jemand anderem — und wenn Sie trotzdem einen der drei Wege benennen können, schreiben Sie ihn einfach in den Nachweisteil.
Echter Zahlungsmittelabfluss oder vermiedene Kosten
Beides ist erfassenswert, aber es ist nicht dasselbe, und der Leser muss wissen, wovon Sie sprechen.
| Art | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Echtes Geld | Eine Ausgabe verschwindet aus den Büchern | Ersatzteil muss nicht mehr gekauft werden; weniger Material je Teil |
| Vermiedene Kosten | Eine Ausgabe, die angefallen wäre, ist nicht angefallen | Keine zusätzliche Maschine nötig, weil die Kapazität reicht; keine Überstunden |
Vermiedene Kosten sind real, beruhen aber auf einer Annahme — dass die Ausgabe ohne die Verbesserung sicher angefallen wäre. Schreiben Sie diese Annahme aus, lassen Sie den Leser nicht raten.
Wenn die Zahl schlecht aussieht und die Maßnahme trotzdem richtig ist
Manche Verbesserungen bewertet die Kalkulation als **Kostensteigerung**, und sie sind trotzdem richtig. Das deutlichste Beispiel ist die kleinere Losgröße: die Zahl der Rüstvorgänge steigt, also steigen die Rüstkosten je Teil.
Was dafür gewonnen wird — kürzere Durchlaufzeit, weniger Bestand, früher erkannte Fehler — kann Costdown nicht messen, und das System sagt genau das, wenn es erkennt, dass Sie die Losgröße verkleinern.
Fünf Fragen vor dem Veröffentlichen
- Sitzt diese Verbesserung am Engpass oder außerhalb?
- Falls außerhalb: welchen der drei Wege zu echtem Geld kann ich benennen?
- Ist der Betrag echtes Geld oder vermiedene Kosten? Steht das klar da?
- Falls vermiedene Kosten: ist die dahinterliegende Annahme ausgeschrieben?
- Gibt es einen Nutzen, den die Tabelle nicht misst? Steht er im Wirkmechanismus?
Diese fünf Fragen machen Ihre Zahl nicht kleiner. Sie machen sie **haltbar**, wenn jemand nachfragt — und davon hängt ab, ob Ihr Vorschlag von anderen übernommen wird.
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